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Rolandstandbilder

Sie sind seit Jahrhunderten bekannt und Urkunden bescheinigen ihre Identität. Sie werden restauriert, untersucht und erforscht, doch immer noch haben die Rolande nicht alle Ihre Geheimnisse preisgegeben. Die starren, überlebensgroßen Standbilder aus Stein oder Holz auf Märkten und zentralen Plätzen unserer Städte haben ihren Ursprung im Mittelalter. Sie sind Denkmale der Zeitgeschichte und verraten nicht nur Mode und Geschmack jener Jahre, sondern künden von harten, oft erbarmungslosen Kämpfen um Rechte und Freiheiten. Älteste bekannte Quellen nennen die Rolande "signa libertatis", was soviel wie Freiheitszeichen oder Merkmal der Freiheitlichkeit bedeutet. Der Inhalt dieses Begriffes reicht dabei von der Hohen oder Blutgerichtsbarkeit über allgemeines Stadtrecht, vollständige Rastfreiheit, Unabhängigkeit von Landesherren und die Zollfreiheit bis hin zu Markt-, Stapel- und Handelsrechten. Warum aber im 14. Jahrhundert und auch später Räte von Städten eine Person der karolingischen Geschichte Denkmale aufstellten oder zumindest nach ihr benannt, dass ist in der Geschichte der Rolandforschung auch heute noch ungeklärt. Die meisten Rolandstandbilder wurden zwischen 1342 und 1550 aufgestellt. Die letzte Erstaufstellung eines Rolands erfolgte ziemlich spät, zwischen 1730 und 1740 in Questenburg/Harz. Schon seit 1404 werden untergegangene oder beschädigte Rolande durch neue ersetzt.

Rolandstandbild Viele der Rolande wurden im Laufe der Jahrhunderte einmal oder öfters umgesetzt. Doch nirgends war die Begründung für eine Umsetzung so kleinlich wie im Falle des Brandenburger Rolands im Jahre 1716. Bis dahin stand der Recke mitten auf dem Markt "bey der vorigen Corps de Garde" (der Wache). Von da wurde er auf Befehl des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. an das Neustädtische Rathaus gesetzt, weil "er die Soldaten beim Exerzieren störe". Eine echte Hohenzollernentscheidung, engstirnig, anmaßend und dumm. Doch das war sicher nicht der einzige Grund, denn städtische Rechte und Freiheiten waren Friedrich Wilhelm I. und auch wie seinen Vorgängern ein Dorn im Auge. Deshalb ließ er schließlich den Roland wegnehmen, wo exerzierende Soldaten den Stadtbürgern täglich die Macht des Königs demonstrierten.
In Brandenburg, dessen ältester Teil die Zentralburg der slawischen Heveller bildeten, hat schon ein Roland gestanden, als von den Zollern als Markgraf oder gar Kurfürsten noch keine Rede war, nämlich 1402. Dieser erste Roland aus Holz wurde vermutlich bei der Errichtung des jetzt noch vorhandenen Standbilds im Jahre 1474 ersetzt. Dieser schönste, künstlerisch reifste aller Rolande ist mit 5,34 Metern und etwa 8,5 Tonnen Gewicht einer der größten. Jünglingshaft ist er gestaltet und hat trotz seiner Plattenrüstung nichts Plumpes an sich. Die Rechte hält in Schulterhöhe das Schwert senkrecht. Die Linke am Dolch, der sich in der Mitte des schmalen, ornamentierten Gürtels befindet. Sein Haupthaar ist zu Tollen gedreht und reicht hinten bis zum Nacken. Auf dem Haupt wächst in einer Mulde ein Büschel Donnerkraut, welches nach altem Aberglauben vor Blitzschlag schützen soll. Im Spätsommer 1941 wurde er demontiert und unter strengster Geheimhaltung im Rieselgut Wendgräben aufbewahrt. Sein alter Standort, das Neustädtische Rathaus, aber war nach dem Krieg zerstört. Da entschloss die Stadtverwaltung, ihn am Altstädtischen Rathaus aufzustellen, wo er heute noch zu bewundern ist. Seit 1906 steht eine Kopie des Rolands vor dem Märkischen Museum in Berlin.

-> 1402 Erste Erwähnung des hölzernen Rolands in der Brandenburger Chronik.
-> 1474 Der heutige Roland aus Sandstein mit 5,34 Meter Höhe wird auf dem Neustadt Markt
aufgestellt. Auftraggeber war damals der Rat der Stadt, leider ist der Schöpfer unbekannt.
-> Im 16. Jahrhundert erhielt er eine Versilberung
-> 1716 Umsetzung des Rolands vor das Neustädtische Rathaus und wurde mit Aschefarbe angestrichen, die Rüstung mit Gold ausstaffiert.
-> 1946 Umsetzung zum heutigen Standort vor das Altstädtische Rathaus.